40 Jahre Jaguar V12: Die Königsklasse

Sie stehen für unerschöpfliche Leistung, große Hubräume, royale Limousinen, ultraschnelle Sportwagen und majestätischen Luxus. Zwölfzylinder sind die motorische Königsklasse des Automobils. Vor genau 40 Jahren präsentierte der Jaguar mit einem 5,3-Liter-V12 im Jahrhundertsportwagen E-Type seine Eintrittskarte in diese elitäre Liga.

Mit Leistungswerten bis 243 kW/330 PS und dem Einsatz in den Luxuslimousinen Jaguar XJ 12 und Daimler Double Six, aber auch im Le-Mans-Siegerfahrzeug von 1990 und in extravaganten Racern wie bis zu 800 PS starken Hochseerennbooten bescherte der V12 Jaguar Glanz und Glorie.

Erste Zeichnungen eines Jaguar V12-Triebwerks waren bereits um 1955 entstanden. Damals sollte eine stärkere Maschine die legendären Jaguar XK-Racer zu weiteren Triumphen in Le Mans führen. Realisiert wurde das angedachte Kraftwerk aus zwei 2,5-Liter-XK-Sechzylindern allerdings nicht. 1968 debütierte die Limousine XJ, wobei die ursprünglich interne Projektbezeichnung XJ für „eXperimental Jaguar“ stand. Vielleicht auch, weil Lyons mit dem XJ von Anfang an die europäische Vorkriegstradition repräsentativer Zwölfzylinder-Limousinen wiederbeleben wollte.

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Zum Einsatz kam der Motor der Königsklasse jedoch völlig überraschend erstmals im E-Type. Eigentlich war der 5,3-Liter erst für den designierten Nachfolger F-Type vorgesehen, nun musste er aber den ins Stocken geratenen Verkauf der durch Abgasentgiftung erlahmten Katzen beschleunigen. Dazu mutierte der E-Type zur überarbeiteten Serie III, die es nur noch als 2+2 Coupé und als Roadster mit langem Radstand gab. Herzstück des modifizierten E-Type mit fast endlos langer Motorhaube war nun der V12.

1972 debütierte dann der Jaguar XJ 12 als erste europäische Zwölfzylinder-Serienlimousine seit 1939. Schlagzeilen machte er damals sogar mit Details wie der Weltneuheit „Erste Zwölfzylinderlimousine mit Automatik und Klimaanlage“ – Vorraussetzung für eine erste Exportoffensive nach Texas und andere heiße Wüstenländer der Ölmultis. Es blieb allerdings immer zu hoffen, dass das edle Triebwerk unter solchen Einsatzbedingungen keine thermischen Probleme bekam. Zumal die schönen Viertürer sich über Jahre mit dem Prädikat schmückten, als „schnellste Großserienlimousinen der Welt“ an der 230 km/h-Marke zu kratzen.

Als BMW 1987 den 750i präsentierte und den Nimbus der Jaguar XJ 12 zu beschädigen drohte, beschleunigten die schnellen Katzen mit 6,0-Liter-V12 sogar auf eine Vmax von 245 km/h. Höhepunkt und krönender Abschluss der XJ-Limousinen mit staatstragendem Motor – im englischen Königshaus bevorzugte sogar die legendäre „Queen Mum“ Reisen mit dem V12 – wurde die bereits mit finanzieller Unterstützung durch den neuen Konzerneigner Ford 1994 eingeführte Serie X300. 1997 musste der V12 Diskussionen um Abgas- und Verbrauchswerte Tribut zollen und dem ersten Jaguar-V8-Motor weichen.

Seine Legende lebt aber fort. Zumal der V12 auch in den raren zweitürigen Versionen des XJ zum Einsatz kam. 1973 debütierten die edlen Coupés auf der IAA, knapp zwei Jahre später startete die Serienfertigung. Im gleichen Jahr ging auch der E-Type-Nachfolger XJ-S an den Start – ebenfalls mit standesgemäßem Zwölfzylinder. Ab 1985 konnten die Fischluftfreunde den feudalen Sportler auch als Cabriolet bestellen, zunächst mit Überrollbügeln, später als klassisch-schönen Sonnenanbeter mit der Kraft der zwölf Herzen.

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Wer es noch exklusiver bevorzugte, wählte die raren Kleinserienexemplare der britischen Edelmanufaktur Panther, die ihre Sportwagen und Limousinen ebenfalls von Jaguar Zwölfzylindern antreiben ließ. Dagegen gehörte die älteste britische Marke, der Hoflieferant Daimler, bereits zu Jaguar. Die exklusivsten XJ-Limousinen wurden deshalb als Daimler Double Six vermarktet. Dies so erfolgreich, dass von der dritten XJ-Serie mehr Daimler- als Jaguar-Zwölfzylinder abgesetzt wurden.

Erfolgreich waren auch die Motorsporteinsätze des V12. Krönender Höhepunkt war der Triumph bei den 24 Stunden von Le Mans 1990. 45 Jahre nach Entwicklungsstart des V12-Triebswerks errang der XJR 12 LM damit den Königsthron des Langstreckensports.

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Text: Wolfram Nickel
Fotos: Jaguar