2. Bayerwald-Rallye Classic

Als Neuling in der Classic-Masters-Serie hat die Bayerwald-Rallye gleich nachhaltig gezeigt, dass sie in den 70er-Jahren eine bekannte, deutsche Bestzeitrallye war. Auch wenn es im Bayerischen Wald nur um Gleichmäßigkeit ging, zählte an den Lichtschranken jedes PS.

Perfektere Voraussetzungen für eine Rallye konnte man kaum finden: Walter Röhrl als Ehrenmitglied des veranstaltenden Clubs in Kötzting, Verzeihung, in Bad Kötzting senkte die Startflagge und schickte die rund 50 Teams auf eine Lichtschrankenhatz durch eine sensationelle Landschaft, wie es sie selten zu sehen gibt. Gleich am ersten Abend, dem so genannten Prolog, hagelte es ab 17.01 Uhr gleich über 30 Lichtschranken zum Warmwerden. Das mag daran liegen, dass der Chef der Rallye, Herbert Pongratz, im normalen Leben auch der Chefzeitnehmer der Classic-Masters-Serie ist und somit zeigen wollte, wie viele Lichtschranken und Zeitnehmer denn in seinen Diensten stehen. Nach dieser heftigen Eingewöhnung sah es an der Spitze wieder aus wie immer: Knödel-Fürst Norbert Henglein nebst Co. Günter Röthel führten das Gesamtklassement an. Und wer die vorgegebenen Zeiten im Roadbook mit den zwar wunderschönen aber teilweise doch verzwickten Straßen rund um Bad Kötzting verglich, stellte fest, dass es gar nichts schadet, wenn man wie Henglein einen Porsche Carrera RSR unter dem Hintern hat. Ganz wie früher, als es noch eine Bestzeitrallye war, musste bei der Bayerwald-Classic der Fuß gar nicht oft vom Gaspedal genommen werden. Genauer gesagt nur vor dem Abendessen und dem Ziel. Wer sonst gelupft hat, hatte ein Problem in der Ergebnisliste.



Am zweiten Tag sollte sich daran auch nichts ändern. Dazu kam in einer Sonderprüfung noch ein böses Stück Schotter, welches sich 20 Meter lang in einer Bergaufpassage als extrem bockig herausstellte. So mancher Teilnehmer hatte hier Sorge um sein Auto und um seine heruntertickende Uhr. Absicht war es keine vom Veranstalter, noch Tage zuvor zeigte sich dieses gemeine Stück als feines Asphaltsträßchen. Aber dann hatte kurzfristig das Straßenbauamt die Idee, ach, komm, fangen wir doch mal an, die Straße aufzureißen, ist ja bald Rallye. Nur fertig wurden sie leider nicht und da es sich um einen verzweigten Rundkurs handelte, konnte der Veranstalter dieses Stück auch nicht mehr heraus nehmen.



Herausgenommen haben sich dafür ganz andere etwas: Zum Beispiel die Mannschaftskollegen von Teamchef Norbert Henglein. Der wurde nämlich durch die später Zweitplazierten Thomas Senn/Jürgen Illig im Werks-Kadett sowie dem Austin-Healey-Team Michael Eiselt/Miriam Wedlich (Rang drei) auf den vierten Platz zurückgereicht. Das sicherte zwar mit großem Abstand den Sieg in der Mannschaftswertung, über die nicht funktionierende Stallregie frotzelte der Chef abends dann aber doch ein wenig.



Dem aufmerksamen Leser ist sicher nicht entgangen, dass Rang eins noch fehlt: Das war das in keinster Weise zu schlagende Vater-Sohn-Gespann Stefan und Alexander Rott, die mit dem Rest des Feldes nach Belieben spielen konnten. Egal, ob sie die Lichtschranken mit einem Hupfer passierten oder mit 60 Sachen durchbretterten – ihre Zeiten waren von den anderen nicht zu fahren.



Und wer es vielleicht geschafft hätte, wie Eberhard Blumenstock oder Schorsch Münch, der katapultierte sich mit hausgemachten Dummheiten selbst ins Aus. Als Fazit könnte man sagen, fürs erste Mal eine feine Sache im Bayerwald, allerdings sollte für das nächste Jahr in Sachen Tempo das kleinere Messer genommen werden. Gefährlich war es manchmal schon (eine Hauptstraße musste in flüssiger Fahrt überquert werden, ohne dass diese gesperrt war) und das hat eine feine Rallye wie die Bayerwald überhaupt nicht nötig.

Für weitere Informationen klicken Sie auf www.bayerwald-rallye.de.

Text und Fotos: Thomas Senn


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