100 Jahre Chevrolet: Aus der Schweiz in die Welt

100 Jahre Chevrolet: Aus der Schweiz in die Welt

Es war der Schweizer Rennfahrer und Automobilpionier Louis Chevrolet, der zusammen mit dem amerikanischen Unternehmer William C. Durant am 3. November 1911 in Detroit den Grundstein für die Chevrolet Motor Car Company legte. Classic Driver blickt zurück auf die 100-jährige Unternehmenshistorie.

Aus bescheidenen Anfängen entwickelte sich schnell die führende Marke des General Motors-Konzerns und damit Henry Fords härtester Rivale im Kampf um Platz eins in den USA und auf dem Weltmarkt. Da hatten sich die Wege von Louis Chevrolet und William Durant allerdings längst wieder getrennt. Chevrolet starb 1941 verarmt und allein in seinem Heim in Lakewood bei Detroit, während die Marke Chevrolet im GM-Konzern alle wirtschaftlichen Stürme überstand und in der Folge legendäre Modellreihen wie Suburban, Corvette, Camaro oder Impala lancierte. Heute ist Chevrolet mit einem Jahresabsatz von mehr als 3,5 Millionen Fahrzeugen in über 130 Ländern vertreten, in Deutschland und Europa seit 2005 auch als Nachfolger der koreanischen GM-Tochter Daewoo.

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Bereits 1922 avancierte Chevrolet zum Produktionsmillionär und gefährlichsten Gegner für Ford. 1927 verkaufte man in den USA erstmals eine Millionen Einheiten und konnte damit Ford als Marktführer ablösen. Wie der ewige Rivale expandierte auch Chevrolet in jenen Jahren nach Europa.

„Value for money“ lautete das Unternehmenscredo bei Chevrolet. Innovationen wie das erste serienmäßige Autoradio (1924), ein Sechszylinder-Benziner für Transporter (1929), die erste amerikanische Einzelradaufhängung vorne (1934) und die Modellreihe Suburban (1935) als Vorläufer aller modernen SUV und Minivans unterstützten den anhaltenden Aufschwung, mit dem Chevrolet sogar die Jahre der Weltwirtschaftskrise überstand. Auch in den Nachkriegsjahrzehnten setzten Premieren wie die erste Großserien-Vollautomatik (1950), die erste amerikanische Benzineinspritzung (1957), der El Camino als erster Crossover zwischen praktischem Pickup und komfortablem Pkw (1958) und der Chevrolet Corvair Monza Spyder als erster Benziner mit Turboaufladung (1962) immer neue Trends.

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Dazu zählten auch leistungsstarke Motoren zu vergleichsweise günstigen Preisen. So leitete der Small-Block-V8 von 1955 die Ära besonders robuster Hochleistungsmotoren ein. Über 50 Jahre lang wurde das von Fans respektvoll „wildcat“ (Wildkatze) genannte Kraftwerk in Limousinen, Sportwagen, SUV und Trucks der Marke im Zeichen des Bowtie eingebaut.

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Schon immer war außergewöhnliches Design ein Erfolgsträger von Chevrolet, nicht wenige Modelle wurden sogar zu amerikanischen Automobilikonen. So reflektierten die aufsteigenden Flügel des 1957er Chevy Bel Air den Optimismus des Jet-Zeitalters, während die aufregend gezeichnete 1963er Corvette Stingray für nicht wenige Fachleute eines der schönsten Fahrzeuge aller Zeiten ist. Der 1967 eingeführte Camaro trat als stilsicher geformtes, sportliches „Pony Car“ erfolgreich gegen den Ford Mustang an.

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Allerdings belegte das Heckmotormodell Corvair in der Spitzengruppe der größten Flops der Automobilgeschichte einen unrühmlichen vorderen Platz. Der umstrittene Verbraucheranwalt Ralph Nader brachte 1965 mit seinem Buch „Unsafe at any speed“ den Corvair wegen angeblich gefährlichen Fahrverhaltens in die Schlagzeilen.

Anfang der siebziger Jahre musste sich Chevrolet ganz anderer Gefahren wehren: Die Importeure und darunter vor allem die Japaner gewannen in den USA immer mehr Marktanteile. Ereignisse wie die erste Ölkrise beschleunigten diesen Prozess noch. Chevrolet antwortete darauf mit einer globalen Ausrichtung der Marke und Weltautos wie der Chevette, die sich ihre Plattform mit dem Opel Kadett C von 1973 teilte. Der Chevrolet Cavalier von 1982 startete als Opel Ascona in Deutschland wurde weltweit unter verschiedenen Namen vermarktet und diente schließlich sogar als Basis für den Daewoo Espero in Korea. Daewoo wiederum wurde 2002 von General Motors übernommen und diente GM als Sprungbrett für den Relaunch der Marke Chevrolet in Europa im Jahre 2005.

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Zum 100. Geburtstag startet Chevrolet ins Elektrozeitalter. Mit dem Volt als zündendem Funken will Chevrolet die Existenzkrise des Mutterkonzerns General Motors endgültig überwinden und den Mythos der Marke wieder aufladen.

Diverse klassische Chevrolet werden aktuell im Classic Driver Marktplatz angeboten.

Text: Wolfram Nickel
Fotos: SP-X