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1. Silvretta E-Auto Rallye: Strom aufwärts

Zum 13. Mal fand vom 8. bis 10. Juli 2010 die Silvretta Classic im Montafon statt. Und rund um Schruns, Vadans und andere namhafte Wintersportorte röhrten nicht nur klassische Vier-, Sechs- und Achtzylinder. In der so genannten 1. Silvretta E-Auto Rallye vermuteten Abergläubische den endlich vollzogenen Paradigmenwechsel beim Thema Auto und Nachhaltigkeit. Weniger mystisch Veranlagte gemahnten, mit leichtem Grinsen im Gesicht, an ein Schaulaufen der Industrie. Denn circa 200 Old- und Youngtimern standen lediglich 24 Elektromobile gegenüber. Classic Driver hat sich hinter das Steuer eines smart ED gesetzt und tüchtig, ja was? Gas gegeben? Strom abgerufen? Egal. Das Ergebnis zählt. Der Smart ED hat gleich die Wertungsprüfung fünf am Zeinisjoch gewonnen.

Mal ehrlich. Das Defilee der benzingetriebenen „Schnauferl“ machte beim Vorstart der diesjährigen Silvretta Classic wesentlich mehr her als der recht überschaubare Aufmarsch der Stromologen. Das mag mit Geräusch verbunden sein. Denn ein aufgebrezelter Cinquecento, ein alltagsgewöhnter Renault Dauphine, ein Landauer, in dem die Fußball-Weltmeister 1954 transportiert wurden, diverse Raritäten von Porsche, Ferrari oder Lamborghini, all das ist akustisch wesentlich präsenter als ein Mitsubishi MiEV, ein Golf blue e-motion, ein Tesla oder etwa der schnuckelige smart ED. Denn die summen alle gleichermaßen nur vor sich hin.

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Andererseits hatten sich einige Entwicklungsvorstände, die ansonsten gerne die Historie ihrer Marken ausführen, zu einem hochvoltigen Tete-à-Tete eingefunden. Die Nachricht war eindeutig: Hey Leute, schaut her, wir können auch elektrisch. Ausgerechnet der lange erwartete und inzwischen nachhaltig heiße Sommer spielte jedoch der Benzinfraktion ein Schnippchen. Silvretta, landläufig mit mindestens einem Tag Dauerregen assoziiert, führte für die antiken Luftkühler mit Vergasermotor zu einem ungewöhnlichen Schattendasein. Es wurde zusätzlich mit Tape und/oder Schweißdraht das schützende Blech hoch gestellt oder in Stellung „Zwangsbeatmung“ fixiert, kurz vor dem Start noch kaltes Benzin nachgetankt. Aber gegen die Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke kämpften manche Vergaser vergebens.

1. Silvretta E-Auto Rallye: Strom aufwärts 1. Silvretta E-Auto Rallye: Strom aufwärts

Indes herrschte auch bei den E-Mobilen nicht nur eitel Freude. In den Pausen der recht kurzen Teiletappen (20 bis 60 km) wurde sehr oft mit Kabeln und Verlängerungsschnüren herum operiert, denn manch ein Akku schien noch nicht auf dem letzten Stand der Dinge. Gleichwohl hatten die großen Hersteller wie Audi, Mercedes, Toyota, Mitsubishi, Volkswagen als Sponsor und die Edelschmiede AMG ihre Hausaufgaben zur Zufriedenheit aller gemacht. Und während Audi-Entwicklungsvorstand Dick sichtlich vergnügt einen e-tron bis ins Ziel in Paternen chauffierte, steckten VW-Entwicklungsvorstand Hackenberg und sein Kollege Weber von Mercedes am Vorstart publicityträchtig die Köpfe unter die jeweiligen Hauben der E-Mobile. Hier blue e-motion, da die elektrische SLS-Rakete. Selbst ein veritabler Staatssekretär hatte es sich nicht nehmen lassen, mit blauer Emotion Satzbausteine zum Energiegipfel der Bundesregierung zum Besten zu geben.

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Gefahren wurde auch bei den E-Mobilen nach den geläufigen Regeln des Rallyesports mit allen erdenklichen Schikanen bis hin zu geheimen Wertungs-Prüfungen, die in keinem Roadbook vermerkt waren. Fazit nach drei Tagen „E-Auto“ mit jeweils kurzen Etappen im E-Mobil: Es geht Strom aufwärts. Und zwar ordentlich. Was sich dem Autor im smart ED bot, kann sicher nicht eins zu eins auf weitere Elektroautos übertragen werden. Aber, keines der Fahrzeuge aus der Kategorie Zero Emission ist liegen geblieben. Ob hohe Temperaturen, steile Passstraßen bei den Bergprüfungen oder der Strom fressende Einsatz der Klimaanlagen, nichts brachte die Volt-Flotte aus dem Takt. Mehr noch. Die Diskussion um maximale Reichweite kann getrost in die Tonne wandern. Vierzig bis sechzig Kilometer sind echt kein Problem, auch die Heimreise ins Hotel aus eigener Wattleistung wäre keines gewesen, wenn nicht die Angst und der Mangel an Erfahrung die Piloten an die Steckdose getrieben hätte. Startete der smart ED mit voller Ladung, so ging selbstredend zu Beginn die Ladung auf etwa 70 Prozent zurück. Aber angesichts der immer wieder einsetzenden Rekuperation tat sich der Elektrofloh doch ganz leicht mit der Aufgabe. Und ging, wie etwa bei einer steilen Bergprüfung, der Ladezustand bedenklich in Richtung 50 Prozent zurück, so waren es nach der Abfahrt und Rekuperation gerne wieder mehr als 60 Prozent. Einigkeit bei Experten und Fachpublikum: damit hatte keiner gerechnet.

So beachtlich die Leistung der Stromspeicher, so unglaublich die Performance des City-Mobils. Die 130 Newtonmeter sorgten für einen Vortrieb, der keineswegs in Verkehrsbehinderung ausartete. Immer wenn Leistung abgefordert wurde, stand sie im genügenden Maß zur Verfügung. Die Endurance kann sicherlich noch gesteigert werden, sollte aber in der Diskussion um die Elektromobilität endlich einer größeren Sachlichkeit und Gelassenheit weichen. Wir müssen umdenken. Denn aus den Schemata der Verbrennungsmotoren können wir uns langfristig verabschieden, müssen neue Kriterien finden, die sich nicht an alten Rastern orientieren. Die Industrie hat mehr als deutlich gezeigt, was sie kann. Vor allem die kleine, feine Schmiede aus Affalterbach. Wer je Gelegenheit haben sollte, einen AMG SLS e-Cell lautlos durch die Landschaft zu befördern, dem bleiben keine Zweifel. Elektrisch geht. Und zwar mit Schmackes.

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Weniger ordentlich hingegen die Organisation. Dreieinhalb Stunden, so ein Teilnehmer der E-Rallye, sei man bei brütender Hitze an einem Parkplatz „in Haft genommen“ worden, bevor die Organisatoren von auto motor und sport den zweiten Teil der Freitagsprüfung einleiteten. Dabei wurde die Geduld der Teilnehmer mehr strapaziert als die Ausdauer der Akkus. Am Samstagabend dann der Versuch, die Scharte auszuwetzen. Im Schnelldurchgang wurden die Gewinner herunter gebetet und mit Preisen versehen. Auch wenn der Moderator mehr schrie als sprach, waren alle zufrieden. Bis auf Malte Jürgens, Chefredakteur von Motor Klassik. Er forderte, ohne dies mit der Chefetage der Motor-Presse abgestimmt zu haben, für das nächste Jahr einen Ladies Cup, weil die Zahl der reinen Damenteams inzwischen kontinuierlich steigt.

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Am Ende des Tages klang das gewohnte und gewünschte „So seh’n Sieger aus“ über das Gletscher-Plateau. Deutschland hatte Uruguay mit 3:2 auf die Plätze verwiesen. Und noch bevor die Spanier am nächsten Abend den Sack gegen die Niederländer zumachen konnten, stand fest: Es geht aufwärts mit dem Strom, den E-Mobilen und der nachhaltigen Mobilität, auch wenn es die Organisation nicht schaffte, Ergebnislisten für die E-Auto zu verteilen. Auch hier muss erst noch ein Umdenken greifen.

Fest steht: Das 1:0 für elektrisches Autofahren ist noch weit entfernt von einem Finale. Das wurde spätestens dann klar, als auf der Heimfahrt ein Oldtimer an der Tankstelle Benzin fasste. Der Verbrennungsmotor hatte viel Zeit, sich zu dem zu entwickeln, was heute im 250 CDI der aktuellen E-Klasse verbaut ist. Er gab sich mit weit weniger als geschmeidigen acht Litern Diesel zufrieden. Chapeau.

Das E-Mobil steht in seiner aktuellen Entwicklung erst am Anfang. Wenn im nächsten Jahr in der Tiefgarage des Hotels mehr Steckdosen verbaut sind, wird auch die nächste Stufe gezündet, denn die Infrastruktur für E-Mobile schwächelt noch. Der gläserne Preis zur WP5 Teinisjoch der E-Auto, der den Redaktions-Schreibtisch ziert, ist Erinnerungsstück und Hoffnungsträger zugleich.

Text: Josef Clahsen
Fotos: Josef Clahsen, Audi, Daimler, VW


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