EDITORIAL
Eine staubige Landstraße in der Terra dei Motori, über dem Asphalt flimmert die Luft. Die Sonne brennt im Zenit. Valentino Balboni blickt aus schmalen Augenschlitzen zum Horizont. Als er den Zündschlüssel aus der Tasche zieht, zuckt ein flüchtiges Lächeln durch seinen ergrauten Stoppelbart. Man fragt sich, wie der Italo-Western einen Mann wie ihn nur übersehen konnte. Den Heldenstatus hat er dennoch erreicht, als lebende Testfahrer-Legende bei Lamborghini. Nun wurde Valentino eine limitierte Sonderedition des Lamborghini Gallardo gewidmet – und ganz nach seinen Wünschen auf Heckantrieb reduziert. Wir sagen: Viva Valentino! Eine Filmkarriere der anderen Art verspricht unser aktueller Youngtimer: Benzinsprühende Leitungen, eine Schlangengrube im Motorraum und leise rieselnder Rost gehören für alle „Jäger des verlorenen Schatzes“ zur Tagesordnung. Wer dennoch eines der seltenen gut erhaltenen Exemplare des Maserati Biturbo findet, blickt freilich dem „Dolce Vita“ entgegen.
Die elegantesten Formen des italienischen Automobilbaus findet man allerdings in den Sechzigerjahren – und mit ihnen auch die spannendsten Geschichten! Renzo Rivolta hatte nach dem Krieg mit der Produktion von Kühlschränken begonnen, war dann aber auf den Bau von Motorrollern umgestiegen und schließlich im schwingenden „Miracolo Economico“ mit der legendären Isetta reich geworden. Das Geld musste ausgegeben werden, also beschloss Rivolta, einen eigenen, Maserati und Jaguar in Komfort und Zuverlässigkeit überlegenen Gran Turismo zu bauen. Für die Entwicklung verpflichtete er Giotto Bizzarrini, Nuccio Bertone und einen jungen Nachwuchsdesigner namens Giorgetto Giugiaro. Wie das Experiment ausgegangen ist, lesen Sie in unserem Klassiker. Aus Italien kommen übrigens nicht nur die stilvollsten Karosserieformen, sondern auch einige der schönsten Rennräder. Die heißesten Italo-Bikes des Sommers von Bianchi, Cinelli, Milani & Co finden Sie in der Rubrik Classic Life.
Als Ausblick auf die nächste, anglophile Ausgabe von Classic Inside empfehlen wir noch den Aston Martin Cygnet: Die schönste Manifestation britischer Skurilität seit Monty Pythons „Silly Walks“ – und vielleicht gar keine so dumme Idee!
Gentlemen, start your weekends!