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29.04.2012
BMW 650i xDrive: Reisen wie im Jet


Stellen Sie sich vor, Sie stehen am Hamburger Flughafen mit Ihrem Gepäck in der Hand, um kurzfristig dem Schmuddelwetter in Richtung Süden zu entkommen. Und Sie haben die Wahl: Entweder mit dem Flieger in einer Stunde Ihr Ziel zu erreichen. Oder in einen BMW 650i einzusteigen, um schließlich nach einer Überlandfahrt fünf bis sechs Stunden später anzukommen. Wie würden Sie sich entscheiden?
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Eines vorweg: Wir haben die Überlandfahrt gewählt und dabei dennoch Jet-Atmosphäre verspürt. Denn bereits äußerlich hebt der 6er sprichwörtlich ab, auch wenn das aktuelle Design von Adrian van Hooydonk gefälliger wirkt als das zuvor unter Chris Bangle entstandene. Dennoch bleibt der 6er eine besondere Erscheinung mit seiner Haifisch-ähnlichen Frontpartie, einer extrem niedrigen seitlichen Fensterpartie und einer Schluterpartie wie die eines professionellen Quarterbacks. Dass wir uns für die größte Motorisierung entschieden haben, ist in der Hinsicht also nicht weniger als adäquat.




Der Innenraum des 6ers ist prädestiniert für lange Touren zu zweit. Zu viert fährt man besser nur im Notfall, dann wird es nämlich richtig eng im 2+2-Sitzer. Kein Wunder, denn irgendwoher muss schließlich der Platz für den großen Kofferraum herkommen. Hier ließe sich ohne Weiteres das Reisegepäck für vier Personen verstauen. Zurück im Cockpit, wo sich die leicht unterkühlte, aber dennoch beliebte BMW-Architektur präsentiert, wird die Opulenz des Luxuscoupés deutlich. Die breite Mittelkonsole erinnert an die Steuerzentrale eines Learjets, wenngleich hier fast alle Funktionen von nur zwei Bedienelementen gesteuert werden. Neben iDrive und Gangwahl-Joystick ist jedoch noch Platz für etwas Nostalgie im BMW-Interieur: Die Lautstärkereglung der Stereoanlage funktioniert nach guter alter Manier über den Drehregler am Receiver, und auch die klassische orangefarbene Armaturenbeleuchtung ist immer noch Programm.




Der Startknopf erinnert dann schnell wieder daran, dass wir uns in einem Jet, Verzeihung, im 21. Jahrhundert befinden. Für unseren luxuriösen Überlandflug haben wir nicht nur die stärkste Variante des Coupés, den BMW 650i, gewählt, sondern obendrein den Allradantrieb xDrive draufgelegt. So ist der 6er ab 89.100 Euro zu haben und stemmt 407 PS auf alle vier Räder. Noch in Sommer 2012 wird ihm allerdings der M6 mit 560 PS und einem Grundpreis von 123.600 deutlich den Rang als stärkster 6er ablaufen.




Auch Fahrdynamisch fährt der 650i xDrive in einer anderen Liga: Die Leistungsentfaltung des 4,4 Liter Twinturbo-Achtzylinders mit Direkteinspritzung ist selbst im Fahrerlebnismodus „Sport“ eher kraftvoll-souverän als explosiv-bissig. Wenngleich die 8-Gang-Automatik bei entsprechendem Lastbefehl blitzschnell reagiert. So beschleunigt der allradgetriebene 650i in nur 4,8 Sekunden von Null auf 100 km/h, erledigt entsprechend lästige Überholvorgänge in nur einem Wimpernschlag und erreicht die elektronisch gesteuerte Vmax-Grenze von 250 km/h bereits beim nächsten Atemzug. Mit 11,3 Litern Durchschnittsverbrauch – in unserem Test waren es 13,3 Liter – ist der immerhin 1.920 Kilogramm schwere 6er sogar verhältnismäßig sparsam unterwegs.



Fahrwerk und Lenkung des 6ers rangieren irgendwo zwischen dem S-Klasse Coupé und einem Porsche 911. Beide Bereiche sind nicht so sportlich und direkt wie beim Sportwagen aus Zuffenhausen, aber auch nicht so komfortabel ausgelegt wie bei dem großen Coupé aus Sindelfingen. Selbst im Komfortmodus spürt man im 6er kleine Fahrbahnunebenheiten. Für unseren Geschmack hätte die Abstufung zwischen ComfortPlus und SportPlus noch deutlicher ausfallen können, auch wenn BMW für seinen sportlichen Ruf bekannt ist – und diesen sicherlich auch wahren möchte.



Das war’s dann aber auch mit der Kritik. Der 6er bewährt sich Kilometer um Kilometer als sportliches Reisecoupé mit dem gewissen Etwas. Während man sorglos über die Autobahn gleitet, kann man sich getrost dem Komfort der üppigen Ledersitze hingeben und den feinen Klängen der maßgeschneiderten B&O-Anlage lauschen. Sollte ihr Körper dann doch einmal in den völligen Entspannungsmodus schalten, erinnert Sie der Lane Assist sanft daran, dass Sie den Jet diesmal selbst fliegen.

Text & Fotos: Jan Richter

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