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Porsche 911 Targa 4S (1)



Südliche Sonne. Blauer Himmel. Weite See und Pinienwälder. Porches, Portugal – die Algarve im Spätsommer. Und dazu ein neuer Porsche: Der 911 Glasdach Targa 4S gibt sich die Ehre. In aller Offenheit. Durchatmen und loslassen. Skyd(r)iving für die Sinne. Classic Driver präsentiert den jüngsten 911er in exklusiven Bildern und in zwei Teilen: Impressionen in Carraraweiß und Nordicgoldmetallic.

„Da schau her!“ Selbst die vom Luxus verwöhnten Gäste des Vila Vita Parc Hotels gucken ein wenig erstaunt. Recht so, denn rund 15 brandneue Glasdach Porsche 911 Targa sind ein nicht alltäglicher Anblick. Auch nicht auf dem vor neugierigen Blicken abgeschirmten und von Palmen beschatteten Parkplatz eines fünf Sterne Ressorts. Die ganze Vielfalt der Porsche-Farben: Von Speedgelb über Indischrot, Tannengrünmetallic, Cobaltblaumetallic, Arktissilbermetallic bis hin zu Meteorgraumetallic reicht die bunte Palette.

Porsche 911 Targa 4S (1) Porsche 911 Targa 4S (1)

Alles Porsche. Alle mit Glasdach. Alle Targa. Alle neu. Aber nur je ein 911er in Carraraweiß und Nordicgoldmetallic zieren den mit portugiesischem Granit gepflasterten Parc fermé. Zwei Farben so klassisch, zeitlos, schnörkellos und über jeden Zweifel erhaben wie die Marke selbst. Und mindestens genauso angesagt. Porsche ist Kult. Weiß ist wieder en vogue. Und Gold kommt. Classic Driver ist schon da.



Beste Aussichten

„Endlich ein neuer Targa!“ Eine Erfolgsgeschichte, die im Jahr 1965 auf der IAA in Frankfurt begann, erfährt mit dem aktuellen 997 Modell nach über vierzig Jahren eine neue, überaus gelungene Interpretation. „Porsche Targa“, dieser Begriff steht für eine Modellgeschichte mit vielen Facetten und einem fast schon skurril anmutendem Entstehungsmoment: Als Reaktion auf die strengen Zulassungsbestimmungen in den USA konzipierte Porsche ein sicheres Bügel-Cabrio, das bald schon Pate für ein eigenständiges Fahrzeugkonzept werden sollte.

Porsche 911 Targa 4S (1) Porsche 911 Targa 4S (1)

Der 65er Ur-Targa kam noch mit einer herausnehmbaren Heckscheibe aus. 1969 erhielt der 911 Targa dann eine fest montierte Heckscheibe. Später folgten die bei guter Pflege bis heute nahezu unverwüstlichen Targa-Modelle der G-Reihe. 964er Targa überzeugen Kenner durch ihr puristisch revitalisiertes Karosseriedesign. Der 993 revolutionierte vor zehn Jahren das Targa-Konzept mit seinem Glasdach, was der darauf folgende Typ 996 nochmals verfeinerte. Nahezu 5.000 Einheiten des 996 fanden seitdem ihre Liebhaber, gut 100.000 Targa-Fahrzeuge wurden seit 1967 weltweit verkauft.

Jetzt also der 997. Mit einem deutlich verbreiterten Heck, ein stattlicher Zugewinn von 44 Millimetern, und einer gleichzeitig langgestreckten Silhouette aufgrund hochglanzpolierter Aluminiumleisten an den seitlichen Dachkanten, zieht er die Blicke auf sich, wirkt fast noch eine Spur eleganter als das 997 Coupé oder Cabriolet.



Die „4“ beziehungsweise „4S“ Kennung weisen die neuen Targa als permanente Allradler aus. Entweder mit 3,6 Liter-Boxermotor mit 325 PS oder als 3,8 Liter-Boxervariante mit 355 PS in der S-Version. Zuständig für die zentrale Kraftverteilung ist eine Visco-Lamellenkupplung. Je nach Fahrsituation sollen so zwischen fünf und 40 Prozent der Antriebskraft gut dosiert über die Vorderräder auf die Straße kommen. Tatsächlich ist der neue Targa nur als Allradfahrzeug erhältlich. „Targa-Fahrer sind eher komfortorientiert und sicherheitsbewusst“, erklärt Porsche-Pressemann Anton Hunger die Grundsatzentscheidung. Fest steht schon beim Erstkontakt: Am Design werden Targa-Piloten kaum etwa auszusetzen haben.



Vielleicht aber an der Bedienbarkeit und Technik des neuen Glasdachs? Rund 1,5 Quadratmeter Glas spannen sich vom vorderen Dachrahmen bis zum Heckdeckel. 52 Kilogramm wiegt das gesamte Modul, das in Zuffenhausen innerhalb nur eines Bandtaktes in den Targa kommt. Einen halben Meter öffnet sich das zentrale Glaselement, fährt elektrisch unter den ebenfalls gläsernen Heckdeckel und gibt so fast einen halben Quadratmeter Fensterfläche frei. Window dressing einmal anders. Aber: Ist diese Ästhetik auch funktional oder nur schöner Schein? Im Stand gibt es darauf keine Antwort. Der Porsche muss bewegt werden.

„S“ ist eine Lichtgestalt

Die erste Ausfahrt. Der wolkenweiße Targa lockt mit dem geschwungenen S unter der 4 am Heck. Kombiniere: Allrad plus extra Power. Das Interieur in schwarzem Leder und Akzenten aus Carbon präsentiert sich in Porsche typischer Perfektion. Alles hat seinen Platz, ist durchdacht und vorbildlich verarbeitet. Während andere Hersteller durchaus immer noch auch bei hochwertig positionierten Fahrzeugen Interieur Detaillösungen nach dem „wackelt und hat Luft Prinzip“ anbieten, bestechen Porsche durch eine äußerst stramme Bauweise. Durch und durch. Beim neuen Targa ist das nicht anders.

Porsche 911 Targa 4S (1) Porsche 911 Targa 4S (1)

Der rund ausgearbeitete Schaltknauf schmiegt sich in die Handfläche und ist nah am Steuer positioniert. Das lederbespannte Lenkrad selbst gefällt durch einen nur moderat modellierten Lenkradkranz – ganz anders als bei PS-Boliden wie beispielsweise dem BMW M6 Coupé oder Drehzahl-Königen wie dem aktuellen Porsche GT3.

Hier wird deutlich: Targa-Fahrer lieben es feinsinnig. „Filigrane Details statt Format füllende Elemente“, so lautet das Credo. Ergo lassen sich auch Glasdach und elektrisches Sonnenrollo über nur eine kleine Schaltwippe regulieren. Wenn es im neuen Targa überhaupt etwas zu kritisieren gibt, dann vielleicht die Vielzahl kleiner Schalter, Taster und Hebelchen, die sich insbesondere in der zentralen Bedieneinheit der Mittelkonsole zusammen gefunden haben. Targa Umsteiger von älteren Modellen dürften eine Weile brauchen, bis sie hier den Durchblick haben. Denn mit der Kargheit früherer 911er hat der 997er nichts mehr gemein.



Also los. Schlüssel links. Drehzahlmesser in der Mitte. Sport Chronometer im Blickfeld. Die Bordelektronik illuminiert die Uhrensammlung. Zweimal holt der Motor tief Luft und brabbelt prompt los. Eine Boxerhymne. Das Radio bleibt aus. Knackig trocken rastet der erste Gang ein. Druck aufs Gaspedal. Sofortige Antwort: Flink eilt der weiße 911er vom Hotelgelände, sucht förmlich nach den kurvenreichen Küstenstraßen der Algarve. Augen schwämen, Ohren lauschen den Intermezzi der Gangwechsel und die Sinne berauschen sich an der weißen Lichtgestalt. Fahrerglück. Nur am Himmel braut sich was zusammen. Auch das fasziniert: Großes (Auto-)Kino. Live. Das Glasdach bietet spektakuläre Ausblicke. Auch wenn es geschlossen ist.

Offenbarung – der Targa stürmt los, der Wind bleibt draußen



Noch bevor die ersten Regentropfen fallen, will ich es wissen. „Auf das Dach!“ Eine Monite vermute ich in den Windgeräuschen. Targa Fahrer älterer Baureihen kennen das. Und diejenigen, die sich daran nicht gewöhnen konnten, wechselten früher oder später zurück auf das 911er Coupé oder Cabriolet. Wie zeigt sich der neue 911 in dieser Disziplin?

Porsche 911 Targa 4S (1) Porsche 911 Targa 4S (1)

Um es kurz zu machen: Tadellos. Bei voll geöffnetem Dach lenke ich den Wagen in Richtung Marina von Albufeira. Hier zeigt sich: Bei Geschwindigkeiten bis zu 120 km/h ist ein Gespräch – kein Geschrei! – mit dem Beifahrer problemlos möglich. Und der Fahrtwind greift dank verbessertem Windabweiser nur wenig spürbar in das Wageninnere. Mit dem neuen Targa hat die Besatzung jederzeit ein Dach über dem Kopf. Mal mehr, mal weniger. Der bei jenseits der 100 km/h sonst schon ziemlich zerrende Fahrtwind jedenfalls bleibt draußen.



Nicht so die neugierigen Blicke, die der Porsche erntet. Zugegeben, bislang dirigiere ich den 911 tempomäßig noch ganz unauffällig entlang der portugiesischen Küstenlinie. Aber: Dieses Weiß ist eine Wucht. Asketisch. Sauber. Pur. Sei es nun vor einem Beigefarbenen Felsmassiv, der bunten Häuserfront an der Hafenpromenade in Albufeira oder dem Jachthafen der Gruta do Xorino. Betörend nicht nur für bekennende Porsche-Fahrer. „Think white!“

Porsche 911 Targa 4S (1) Porsche 911 Targa 4S (1)

„Gut – morgen probieren wir das Offenfahr-Programm dann einmal jenseits der in Portugal zulässigen Höchstgeschwindigkeiten“, sage ich mir, als der Sechsgang Targa wieder zurück in seinen gut beschirmten Käfig am Hotel gefunden hat. „In Nordicgoldmetallic?“ fragt ein Kollege. „Genau!“ Ungläubige Antwort: „Bei dem Wetter? Der Satellitenfilm ist voller Wolken. Na, die Bilder will ich sehen. Euer tolles Gold sieht doch aus wie Rost! Dass Ihr von Classic Driver aber auch immer aus der Reihe tanzen müsst.“ Genau. Müssen wir. Nur zu gerne sogar.



Text & Fotos: Mathias Paulokat

Teil 2 am Montag auf Classic Driver.
Erleben Sie den 911 Targa 4S in Nordicgoldmetallic unter der Sonne Portugals. Begleiten Sie den Himmelstürmer auf kurvenreicher Schnellfahrt durch Bergwälder und Pinienhaine zum südwestlichsten Festlandpunkt Europas: dem Cabo de Sao Vicente. „Think white – live Gold!“...zum Artikel



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