| 14.05.2009 Lancia Thema 8.32 ![]() Biedermann und die Brandstifter Text: Sven Jürisch Fotos: Jan Baedeker Foto-Fahrzeug: Lancia Thema 8.32 (Baujahr 10/1987) Ein Lancia Thema ist gemeinhin wenig dazu geeignet, die Redaktion von Classic Driver zu erweichen, den Sprung ins Magazin zu schaffen. Die Limousine der gehobenen Mittelklasse aus der Zeit von 1984 bis 1993 versprüht durch ihre unaufgeregte Linienführung und ihre wenig extravaganten technischen Details etwa den Charme des derzeitigen Dax-Kurses. Und dennoch gibt es eine Version, die die Herzen der Redaktionsmitglieder auch heute noch höher schlagen lässt: Den Lancia Thema 8.32, ein Ferrari im Tarnanzug. Bestens geeignet für den Fall, dass in den stürmischen Zeiten dieser Tage der am Kontosaldo herummäkelnde Bankberater nicht mitbekommen soll, wofür man denn gerade wieder sein Geld ausgegeben hat. War ja nur ein alter Lancia. Aber was für einer! Anzeige Dank des großen Erfolges der Uno-Baureihe Mitte der 80er Jahre fühlten sich die Fiat-Bosse zu Höherem berufen. Der Lancia Thema, Spitzenmodell des Konzerns, sollte mit dem aus dem Ferrari 308 GTB Quattrovalvole stammenden 3,0 Liter V8-Triebsatz zum Vorzeigeobjekt des Konzerns aufrücken. Dass dafür der Rennmotor an entscheidenden Stellen modifiziert werden musste, spielte keine Rolle. ![]() Eine neue Kurbelwelle mit veränderter Kröpfung, neue Zylinderköpfe samt veränderten Nockenwellen sowie eine moderne Gemischaufbereitung vom Typ Bosch KE 3.3 Jetronic ließen die Leistung auf 205 PS (Version mit Katalysator) schrumpfen. Die Einbuße an Temperament war angesichts der deutlich zivileren Umgangsformen des Gastes aus Maranello zu verschmerzen. Der ungestüme Antritt des Ferrari-Motors hätte vermutlich auch die Antriebsräder zu sehr ins Schwitzen gebracht. Denn trotz aller Bemühungen musste Lancia den 8.32 als Frontantriebslimousine ins Rennen um die verwöhnte Käuferschar schicken. Eine Antriebsart also, die bereits bei der deutschen Konkurrenz auf wenig Gegenliebe bei den Kunden stieß. Einzig ein mit einer Differentialsperre ausgerüstetes Fünfgangschaltgetriebe sorgte für halbwegs zivile Umgangsformen. Denn ESP oder ASR waren Erfindungen, die erst später Traktionsprobleme leistungsstarker Fronttriebler behoben. ![]() Das Paket wurde vervollständigt durch eine geschwindigkeitsabhängige Servotronic des deutschen Herstellers ZF und ein elektronisch verstellbares Fahrwerk (anfangs nur gegen Aufpreis) mit Einzelradaufhängung rundum. Für einen Preis von rund 72.600 DM (1988) war das noch lang nicht alles. Im Innern trumpfte Lancia mit einem von Hand mit Leder bezogenen Armaturenbrett ebenso auf, wie mit einer Alcantara-Innenausstattung (Volleder des italienischen Interieurspezialisten Poltrona Frau gab es gegen Aufpreis von 2.100 DM), elektrischen Fensterhebern vorne und hinten sowie einem elektronisch geregeltem Heizungssystem. Daneben bot Lancia zum Ende der Baureihe nur noch zwei weitere Optionen, zu denen neben dem elektrischen Schiebedach aus Glas auch die elektrische Verstellung der Vordersitze mit Memoryschaltung links zählte. ![]() Das Gesamtpaket war Anfang der 90er Jahre ebenso ungewöhnlich wie erfolglos. Lediglich 3284 Fahrzeuge entstanden in zwei Modellzyklen bei Lancia. Zum Einen war es das fehlende Prestige, zum Anderen die dann in Anbetracht der Konkurrenz doch zu geringe Leistung, die den 8.32 zum Außenseiter stempelte. Dabei lief der Ferrari im Gucci-Dress flotte 240 km/h Spitze, beschleunigte mit kreischenden 205er Pirellis binnen 7,2 Sekunden auf 100 km/h und vermittelte dabei einen gehörigen Fahrspaß, nicht zuletzt durch sein exzellent abgestimmtes Fahrwerk. Das größte Vergnügen bereitete der „Zwitter“ jedoch durch die Tatsache, dass er von außen „nur“ ein Lancia Thema war. ![]() Technik und Wartung |
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