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16.08.2001
Vom Winde umweht - Die Geschichte der Kühlerfigur (2)
















Kühlerfiguren wurden aus einer sehr breiten Palette von Materialien gefertigt. Es bestand zwar kein Zweifel darüber, dass Bronzeguss die beste Qualität bot, aber auch gegossenes Messing lieferte hervorragende Ergebnisse. Zink war das Material der Wahl für billige Massenprodukte, allerdings oxidierten diese Figuren recht schnell, bekamen Risse und wurden unansehnlich. In den 20ern lieferten viele Hersteller vernickelte Produkte, aber Verchromung bot einen noch besseren Oberflächenschutz. Ab 1928 konnten Kühlerfiguren als Alternative zur Verchromung auch per Galvanisierung mit einer dünnen Schutzschicht aus Silber versehen werden, aber das war nicht billig und wurde deshalb nur von Herstellern von teuren Luxuswagen gemacht.

Wirklich erlesene Kühlerfiguren wurden vom französischen Künstler und Juwelier René Jules Lalique hergestellt, dessen bevorzugtes Material Glas war! Ende der 20er stellte er ungefähr 30 verschiedene Kühlerfiguren in seinem Studio her. Seine Kunstwerke umfassten vor allem Tierskulpturen. Die relativ großen (85 mm bis 160 mm) und vor allem einzigartigen Stücke waren viel gefragt, besonders in den USA, wo sie Luxuswagen wie den legendären Duesenberg, den avantgardistischen Cord oder den teuren Marmon schmückten. Einige der Figuren von Lalique konnten sogar indirekt beleuchtet werden, was ihre feinen Details noch betonte – ein Merkmal, das sie noch attraktiver machte.
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Nüchtern betrachtet sind alle Kühlerfiguren – egal ob Massenprodukt oder exklusive Einzelanfertigung – nichts weiter als Schmuckwerk ohne wirklichen Nutzen. Aber es gab Ausnahmen: In den 20ern versahen einige Hersteller die aufschraubbaren Figuren mit einem Thermometer: Der ‚Calormeter’, ein Temperaturfühler für das Kühlwasser, war geboren. Dieser funktionierte recht einfach: Ein dünnes Röhrchen reichte bis ins Kühlerwasser und beherbergte den unteren Teil eines Thermometers, so dass der Fahrer die Wassertemperatur mittels einer roten Quecksilbersäule an der Kühlerfigur bestimmen konnte. Je nach Funktionsprinzip stellten einige Produzenten auch Versionen mit einer Zeigeranzeige her, die anzeigte, ob die Wassertemperatur niedrig, normal oder hoch war. Diese ‚Calormeter’ waren damals ein sehr nützliches Gerät, denn nur sehr teure Luxuswagen besaßen zu dieser Zeit standardmäßig eine Wassertemperaturanzeige auf dem Armaturenbrett.

Mitte der 30er-Jahre verschwanden die Kühlsysteme der Autos unter der Motorhaube, so dass es keinen externen Kühlerverschluss zum Auffüllen des Kühlwassers mehr gab. Im Ergebnis bestand deshalb auch keine Notwendigkeit mehr, eine Kühlerfigur aufzuschrauben. Natürlich verloren die Autos dadurch durchaus nicht ihre Identität, denn es gab und gibt ja eine Menge Möglichkeiten, Markenplaketten und Logos auch an anderen Stellen anzubringen. Der Niedergang der Kühlerfiguren wurde vor allem von den Gesetzgebern begrüßt, denn Fußgänger zogen sich bei Autounfällen zunehmend schwerere Verletzungen zu. In der Tat verbot Großbritanniens Regierung 1966 Kühlerfiguren bei für den Straßenverkehr zuzulassenden Wagen, und viele europäische Länder folgten diesem Beispiel.

Nur zwei Firmen auf der ganzen Welt pflegen auch weiterhin ihre Kühlerfiguren. Eine von ihnen ist Rolls-Royce, bei deren Modellen ein Spezialmechanismus dafür sorgt, dass die ‚Flying Lady’ bei starker Krafteinwirkung im Kühlergehäuse versenkt wird. Die Modelle von Mercedes-Benz sind ebenfalls von dieser Bestimmung ausgenommen, denn der ursprünglich feste Mercedes-Stern (1925 eingeführt) ist schon lange durch eine klappbare Version ersetzt worden.

Inzwischen hat die Kühlerfigur ihren Hundersten bereits hinter sich. Schmückte sie früher als aufschraubbares Accessoire die Autos, so ist sie heute vor allem als Sammlerstück begehrt, auch von Leuten, die sich ansonsten kaum für alte Autos interessieren. Ihr Wert wird bestimmt durch die Seltenheit der Glasskulpturen von Lalique oder der Arbeiten anderer renommierter Künstler. Führende Auktionshäuser, vor allem in Großbritannien, veranstalten gelegentlich sogar eigene Auktionen für dieses spezielle (Sammler-)Gebiet. Eine deutlich preiswertere Möglichkeit, sich an diesen Objets d’Art zu erfreuen, bietet sich ganz einfach – beim Besuch eines Automuseums.

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