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29.06.2001
Mini mit Rauno Aaltonen
Rauno Aaltonen im neuen MINI
















Ist der neue Mini ein legitimer Nachkomme des legendären Mini, der vor 42 Jahren – der Not gehorchend – auf den Markt kam oder nicht? Rauno Aaltonen (63), international anerkannter Automobilexperte, einst erfolgreicher Rallye – Pilot und Mitbegründer einer Zunft, die als ‚fliegende Finnen’ den legendären Ruf skandinavischer Volant – Profis begründete, kann die Frage beantworten. Denn: Er hat beide Minis erfahren und weiß die Unterschiede zu erklären.

Classic Driver: Herr Aaltonen, bitte berichten Sie uns von Ihrem einschneidendsten Erlebnis mit dem Ur-Rallye-Mini.
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Rauno Aaltonen: Als ich den Mini zum ersten mal sah, habe ich sofort gedacht, der ist der optimale Rallyewagen. Die Räder in den Ecken, kaum Überhänge, ein handliches Auto für enge Strassen. Am Jahresende habe ich dann von Mercedes auf Mini gewechselt. Zuerst war der Mini ein hoffnungslos unzuverlässiger Rallyewagen. Aber das ist normal bei meisten Sportentwicklungen. Nach und nach wurde der Mini dann besser. Dank seiner wurde ich der erfolgreichste Rallyefahrer der 60er Jahre, natürlich mit der notwendigen Portion Glück.

CD: Ein neuer Mini – den Versuch hat es schon einmal gegeben, aber der Metro geriet zum Flop. Was trauen Sie dem aktuellen Ansatz zu?

Aaltonen: Es ist natürlich sehr schwer – wenn nicht unmöglich – Kult zu vererben. Wenn es überhaupt eine Chance gibt, dann hat sie dieses Auto. Auf den ersten Blick hatte ich ein gutes Gefühl, genau wie damals bei seinem Vorgänger. Aber man kann solche Dinge nicht berechnen, selbst heute nicht. Ein Kult entsteht emotional, ohne wahre Begründung.

CD: Kult braucht Zeitgeist – welcher Zeitgeist hat dem Mini vor 42 Jahren geholfen?

Aaltonen: Die erste Energiekrise nach dem Krieg hat Autokonstrukteure gezwungen, über ein Format nachzudenken, das angemessenen Transportraum bei deutlich reduziertem Benzinverbrauch anbietet. Also: große Leistung bei kleinen Kosten - wenn man rein sachlich denkt. Ich glaube jedoch, dass es eine Art von Protest war, das kleine Auto so ins Herz zu nehmen. Der Mini hat über allen wirtschaftlichen Gründen etwas Geheimnisvolles gehabt. Der Mini war kein Schaukelstuhl wie die anderen damals. Auch ein mittelmässiger Fahrer hatte grosse Fahrfreude, ein Gefühl von Fahrsicherheit und - der Mini war einfach "cute". Es traf die Menschen damals am Nerv.

CD: Und diese Formel soll Kult gestalten?

Aaltonen: Nicht unmittelbar. Aber sie hat schon im Ansatz das Zeug zum David- gegen Goliath-Effekt – und das ist Kult pur.

CD: Aber die aktuelle Kompaktklasse, ordentlich motorisiert, sicher und sauber, ist doch nun wirklich bestens besetzt?!

Aaltonen: Der moderne Mini der BMW - Group reiht sich aber nicht wirklich in dieses Segment ein. Er markiert das obere Ende dieser ansonsten hart umkämpften Klasse und spricht eine Zielgruppe an, die bis heute vielleicht allein vom Audi A 2 bedient wurde.

CD: Kann er in diesem Umfeld überhaupt einen vergleichbaren Kultstatus erreichen wie einst der Ur - Mini?

Aaltonen: Weder glaube ich, dass man Kult vererben kann, noch glaube ich, dass man ihn planen kann. Diese besondere Form der Akzeptanz eines Produkts geschieht einfach. Natürlich kann man durch geeignete Kommunikationsmaßnahmen eine stärkere Voraussetzung für die Entwicklung eines Kults schaffen. Der neue Mini bringt einige dieser Voraussetzungen bereits mit. Das Design emotionalisiert, ist sehr eigenständig und optisch weit entfernt von den Genen des Ur- Mini, doch beim ersten Blick habe ich an dem Ur-Mini gedacht. Das war eine reine Emotion ohne Fakten. Anforderungen an Sicherheit und Umweltschutz werden im neuen Mini erfüllt wie in allen modernen Automobilen. Dadurch ist der neue Mini ein eigenständiges Produkt ohne technische Ähnlichkeiten mit dem Alten. Aber die Summe der technischen Errungenschaften allein macht nicht die Klasse eines Autos aus. Ein Auto kommuniziert über sein Design mit potentiellen Kunden. Und das Design des neuen Mini, innen wie außen, verschafft ihm einen besonderen Charme – gegenüber Männern und Frauen und trifft damit den Geist unserer Zeit - auch heute ist ein bisschen Phantasie erlaubt.

CD: Das macht ihn aber doch vergleichbar mit seinem 42 Jahre älteren Vorgänger - ist Kult also doch vererbbar?

Aaltonen: Ich bleibe dabei: Nein! Denn der neue Mini ist nicht der legitime Nachkomme des Ur- Mini; genauso wenig wie der New Beetle ein direkter Nachfahr des guten alten Käfers ist. Neue Produkte – wenn sie denn auf dem Markt erfolgreich sind – haben immer eine eigenständige Chance auf diesen abgehobenen Status. Aber vor den Kult hat die öffentliche Meinung den Erfolg gesetzt.

CD: Herr Aaltonen, herzlichen Dank für Ihre Einschätzung.

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