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06.10.2000
Qvale Mangusta (1)
Reportage Teil 1

























Text/Photo: Gianluca Gregis

Es sind nunmehr 100 Jahre vergangen, seit Ford und General Motors zum Inbegriff der Autoindustrie wurden und Detroit als deren Welthauptstadt galt, als Zentrum für die Planung, Entwicklung und Realisierung der Fahrzeuge, die später die halbe Welt mobil machten. Heute, im Zeitalter der Globalisierung, werden Autos schon fast als gewöhnliche Haushaltsgegenstände betrachtet und serienmäßig produziert, wobei die zur Herstellung benötigten Komponenten aus verschiedenen Ländern stammen.
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So werden deutsche Fahrzeuge in den USA gefertigt, japanische in Ungarn, italienische in Brasilien und so weiter. Dadurch verwischt sich die konstruktionsbedingte Identität der einzelnen Marken, und der den Autos durch die Gegebenheiten der jeweiligen Orte, Länder, Kulturen und Arbeiterschaften verliehene Charakter geht verloren.

Das neue Zentrum heißt Modena

Eigentlich stellt dies keine Neuigkeit mehr dar - schließlich gibt es Ferrari, Maserati, Lamborghini und De Tomaso nicht erst seit gestern. Nun sind jedoch noch Pagani und das ganz neue, noch kein Jahr alte Unternehmen Qvale hinzugekommen, wodurch ein weltweit einzigartiger Kreativpool entstanden ist. Auf wenigen Quadratkilometern sind die kleinen Fertigungsanlagen der wichtigsten Sportwagenhersteller des Weltmarkts konzentriert.

In den 50 Jahren seines Bestehens ist Ferrari zu einem Mythos auf vier Rädern geworden. Die von Ferrari übernommene Marke Maserati rüstet sich wieder für den Kampf um eine führende Wettbewerbsposition. Lamborghini führt seinen Klassiker Diablo fort. De Tomaso schickt in Erwartung der Einführung des Pantera und des Vallelunga den Guara 2001 ins Rennen. Pagani ist mit seinem Zonda wie eine Bombe in die Welt der Supersportwagen eingeschlagen und liefert bereits die ersten C12-Modelle aus.

Und Qvale? Qvale ist Mangusta

Eine seltsame Geschichte. Nachdem das Fahrzeug vor ein paar Jahren von De Tomaso entwickelt wurde, steht Mangusta nun, nach einigem Hin und Her, nur noch für Qvale.

Hin und Her? De Tomaso? Qvale?

Die Sache ist in der Tat recht kompliziert, zugleich aber auch einzigartig und faszinierend. Also noch einmal, Schritt für Schritt:

Der neue Mangusta war ursprünglich vor einigen Jahren von De Tomaso als Prototyp vorgestellt worden; er war konzipiert als neuer "Allround"-Sportwagen und hieß damals noch Bigua. Das Fahrzeug war ein Entwurf des genialen Marcello Gandini (Vater des Diablo, des Countach und des Ghibli), doch dann kam es aufgrund einer Krankheit des "deus ex machina" der Marke, Alejandro De Tomaso, innerhalb des Unternehmens zu Problemen, weshalb das Projekt nicht weitergeführt wurde.

Gleichzeitig träumte der junge, ambitionierte Bruce Qvale, Eigentümer der Qvale Automotive Group, davon, sich als Konstrukteur von Sportwagen zu verwirklichen. Da er in den USA bereits über 5000 Fahrzeuge für De Tomaso verkauft hatte, unterhielt er gute Beziehungen zur Familie De Tomaso. Er schlug daher vor, bei der modenaischen Marke mit neuem Kapital einzusteigen und seine Ideen und Organisationskonzepte einzubringen. Anschließend wollte er die Leitung des Unternehmens vollständig übernehmen und dabei ausgehend von dessen Traditionen eine neue Linie auf Basis des Bigua entwickeln. Dieser wurde mittlerweile Mangusta genannt, nach dem berühmten Wagen der 70er Jahre.

Und schon kam es zu den ersten Auseinandersetzungen. De Tomaso, inzwischen genesen, beanspruchte nun wieder die Rechte an der Marke sowie die direkte Leitung der Geschäfte für sich. Parallel dazu hatte Bruce Qvale aber bereits erhebliche Summen investiert, weshalb er sich auch nicht mehr von seinem Plan abbringen lassen wollte. Nach einigen Streitereien, die auch die Gerichte beschäftigten, beschloß der amerikanische Unternehmer überraschend, in den USA alles aufzugeben (er betraute seine Mitarbeiter mit der Führung der Geschäfte) und mit seiner gesamten Familie nach Modena zu übersiedeln. Dort schuf er eine neue Marke, führte verbesserte Strukturen ein und übernahm von De Tomaso das neue Projekt Mangusta, welches in der Zwischenzeit erhebliche Fortschritte gemacht hatte.

Auf diese Weise waren innerhalb kürzester Zeit ein neuer Automobilhersteller sowie ein neues Fahrzeug geboren. Und es war die Leidenschaft derer geweckt, die von nun an an der Realisierung des Traums von Bruce Qvale arbeiten, des Mannes, der aus Skandinavien stammt, in den USA geboren ist und Modena zu seiner Wahlheimat gemacht hat.

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