Techno-Classica 2012: Essen in bester Gesellschaft

Techno-Classica 2012: Essen in bester Gesellschaft

Die Techno-Classica Essen setzt erneut Maßstäbe: Fahrzeuge, Stimmung, Besucher und Verkaufsabschlüsse – alles rangierte bei der Klassik-Weltmesse auf hohem Niveau. Kleiner Wermutstropfen aus Käufersicht: Auch die Preise für Oldtimer befinden sich auf Rekordkurs.

Der Pott kochte – vor Begeisterung. Aber ausnahmsweise mal nicht wegen Schalke oder dem BVB. Die gute Laune in NRW resultierte alleine aus der 24. Techno-Classica in Essen. Rund 180.000 Besucher kamen an den diesjährigen Ausstellungstagen auf das Gelände beim Grugapark, um endlich den deutschen Oldtimer-Messehöhepunkt des Jahres zu erleben.

Doch der Schock folgte bei vielen Besuchern auf dem Fuße: Die Preise für Oldtimer schienen gegenüber dem Vorjahr auf breiter Front noch einmal kräftig zugelegt zu haben. In Zeiten von drohender Inflation und allerorten proklamierter Sachwertanlage scheint die rollende Rendite eine wahrlich rasante Sonderkonjunktur zu erleben. Wie sonst ließen sich beispielsweise Preise von über 30.000 Euro für ein gutes gebrauchtes Porsche 911 G-Modell mit deutlich sechsstelliger Laufleistung rechtfertigen? Selbst bei den Privatverkäufern auf dem Außengelände wurden Mercedes Pagoden für über 100.000 Euro feilgeboten. Und selbst Brot und Butter Autos wie VW Käfer, MB Strich-Acht und gut gealterte Alltags-Italiener notieren mittlerweile deutlich fünfstellig.

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"Hype oder begründete Wertentwicklung" war denn auch eines der heiß diskutierten Messethemen – bei Besuchern wie Profis. Dennoch erzielte der vor Ort ausstellende internationale Fachhandel sehr gute Verkaufsabschlüsse. Insgesamt 1.200 Aussteller aus 30 Nationen waren vor Ort. Und getreu einem alten Börsenmotto gibt der zuletzt erzielte Preis immer noch am besten den erzielbaren Wert eines Anlagegutes wider. So gesehen war die 24. Techno-Classica ein auskunftsfreudiger Marktspiegel. Und der weist einen Weg: weiter aufwärts. Von einer Blase ist derzeit nichts zu spüren.

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Thiesen vermeldete bereits nach dem ersten Messetag diverse Verkäufe, so dass am Abend bereits einige Autos auf dem Messestand gegen frische Ware ausgetauscht werden konnte. Manfred Hering mit Early 911S war in diesem Jahr ebenfalls mit einer großen Auswahl an Porsche angereist und hatte die Fläche des Messestands im Vergleich zum Vorjahr mal eben verdoppelt. Das Meilenwerk präsentierte sich in gewohnter Manier an gleicher Stelle und lud zu interessanten Gesprächen ein. Zum ersten Mal auf der Messe, und mit einem nicht weniger auffälligen Stand, warb die Classic Remise für ihre Standorte Berlin und Düsseldorf.

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Auch andere Classic Driver Händler aus Deutschland wie Steenbuck, Fusco, Movendi, Springbok oder Eberlein waren mit dem Ergebnis der Messe zufrieden. Ebenfalls im nächsten Jahr wieder mit dabei sein werden The Gallery Brummen und Automobila Franco Lembo sowie Art & Revs die aus den benachbarten Ländern nach Essen gekommen waren. Aufgrund der gleichzeitig stattfindenden Retro Classics in Stuttgart standen viele Händler vor der Wahl, auf welcher Messe sie dieses Jahr vertreten sein wollen. Für einen Großteil war es eine leichte Entscheidung – Essen muss es sein. Doch auch das Stuttgarter Pendant war lt. Ulrich Herrmann ausgebucht. Mehr dazu lesen Sie in unserem Messebericht zur Retro Classics.

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Damit lag die Messe im Gesamtergebnis wieder auf dem Rekordniveau des Vorjahres. „Unseren Anspruch, weltweit führende Messe für den Klassik-Sektor zu sein, haben wir deutlich unterstrichen“, sagte Anton L. Franssen, Geschäftsführer des Veranstalters SIHA. Auch bei den Besuchern – vor allem international, so Franssen, habe die Techno-Classica noch einmal zugelegt: “Der Anteil ausländischer Gäste ist erneut gestiegen. Aus Europa, aber ebenso aus USA, Australien, Japan, Südamerika. Wir spüren auch die zwar noch verhaltene, aber zunehmende Begeisterung für klassische Automobile in Ländern wie Russland oder China.“ Das ist eine für den hiesigen Klassikerhandel wichtige Beobachtung. Denn wenn der Enthusiasmus für klassische Automobile im fernen Osten erst richtig anspringt, wird es vermutlich einen weiteren Preisschub für europäische Fahrzeuge geben.

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Wichtig auch: „Originalität ist mehr denn je ausschlaggebendes Kauf-Kriterium“, beobachtete Klassik-Experte Franssen auf der Messe. „Wobei anspruchsvolle Kunden dann auch gerne bereit sind, für Liebhaberstücke mit hohem Qualitätsniveau höhere Preise zu akzeptieren.“ Die Messe sei wieder Bühne der Leidenschaft für historische Fahrzeuge gewesen, so Franssen. „Ein großes, internationales Familientreffen, zu dessen Flair vor allem auch das ideenreiche und phantasievolle Engagement der über 220 beteiligten Clubs beigetragen hat.“ Bewunderung fanden auch die unverkäuflichen Fahrzeuge auf der Messe. Zum Beispiel die Raritäten der spanischen Marke Pegaso: 21 von nur 86 in den 1950er Jahren gebauten Pegaso-Fahrzeuge waren zu sehen – ein Weltrekord.

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Auch die Hersteller servierten in Essen á la carte. Mercedes stellte das Jubiläum "60 Jahre Mercedes-Benz SL" in den Mittelpunkt der großen Markenpräsentation in Halle 1 – und stellte besondere Exponate aus allen SL-Baureihen aus. Unter den Highlights befanden sich einer der zehn im Jahr 1952 gebauten Ur-300 SL, der 500 SL von Lady Di und ein 500 SL der Baureihe R 107 im Rallye-Trimm. BMW belegte mit dem großen Stand der Historik-Sparte BMW Classic traditionell nahezu die komplette Halle 12. Im Mittelpunkt der Münchener Präsentation stand der BMW 3er.

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Der Volkswagen Konzern stellte seinen Auftritt in Halle 7 mit den Konzernmarken unter das Motto "Sportliche Eleganz". Der rund 400 Quadratmeter große Volkswagen-Markenstand feierte das Thema Motorsport eindrucksvoll mit sechs Wettbewerbs-Fahrzeugen, darunter ein WRC Polo, ein Golf II Pikes Peak, ein Salzburg-Rallye-Käfer und der Mille Miglia Ovali- Käfer aus dem Jahr 1956. Die Autostadt stellte ihre Ausstellung unter das Motto "Neu im ZeitHaus" und verdeutlichte dies mit der Präsentation von einem Dutzend Neuerwerbungen. Audi Tradition startete unter dem Motto "Bergrennen". Legendäre Fahrzeuge wie der Audi Sport Quattro Pikes Peak, der Auto Union Typ C mit Doppelbereifung, der Audi Alpensieger oder der NSU 1300 TT waren hier zu sehen. Lamborghini, seit 1998 zur Audi AG zählend, beschäftigte sich mit der Historie der Zwölfzylinder-Motoren und -Automobile der Marke aus Sant'Agata Bolognese. Bentley und Bugatti gestalteten wie in den Jahren zuvor einen Gemeinschaftsstand – in diesem Jahr unter dem Motto des Mutterkonzerns "Sportlichkeit und Eleganz". Porsche hatte seinen Werksstand 2012 erstmals in Halle 7 installiert – und zelebrierte "40 Jahre 911 Carrera RS". Fünf Fahrzeuge – vom Porsche 911 Carrera RS über 911 Carrera RSR bis hin zum Porsche 911 der aktuellen Baureihe 991 – bildeten das Geburtstagskränzchen. Ferrari, zu 90 Prozent in Fiat-Besitz, bestückte traditionell einen großen Stand in Halle 3 mit spektakulären Autos aus Maranello.

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Dass niemand an der Techno-Classica vorbeikommt, der in Branche und Szene „mittendrin sein will“, bestätigte auch Horst Brüning, Präsident des Klassik- Weltverbandes FIVA. „Hier trifft sich die ganze Klassik-Welt“, so Brüning, der als FIVA-Chef die Interessen von 1,6 Millionen Mitgliedern in aller Welt vertritt. Franz Graf zu Ortenburg, der Vizepräsident des AVD-Automobilclubs von Deutschland, meinte: “Die Techno-Classica ist das wichtigste Forum, das gesamte Spektrum klassischer Mobilität darzustellen und so einen unschätzbaren Beitrag zur Erhaltung des Kulturgutes Automobil zu leisten.“ Ein Forum, das auch von der Automobilindustrie in diesem Jahr wieder ausgiebig genutzt wurde, die Entwicklung des Automobils darzustellen und einen historischen Bogen zur Jetzt-Zeit zu schlagen. Über 20 Automobilhersteller präsentierten automobile Meilensteine, rückten Jubiläen von Fahrzeugmodellen in den Blickpunkt und stellten den „Jubilaren“ die aktuellen Nachfolgemodelle an die Seite. Einige von ihnen feierten – direkt nach ihrer Erst-Vorstellung auf dem Genfer Automobilsalon – in Essen ihre Deutschland-Premiere.

Die 25. Techno-Classica findet vom 10. (Preview-, Presse- und Fachbesuchertag) bis 14. April 2013 in der Messe Essen statt. „Aussteller und Besucher“, verspricht SIHA-Chef Franssen, „können sich schon jetzt auf ganz besondere, exklusive automobile Jubiläums-Überraschungen freuen.“ Und müssen sich vermutlich auch auf nochmals höhere Fahrzeugpreise einstellen.

Text: Mathias Paulokat
Fotos: Mathias Paulokat, André Scheuermann, Porsche Classic

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