Ferrari 512 BBi: Der letzte Casanova

Ferrari 512 BBi: Der letzte Casanova

Mit dem 512 BBi endete bei Ferrari die Tradition der „Gentleman-Racer“. Bis dato produzierte Maranello Autos, deren Strahlkraft nicht unwesentlich von der virtuosen Bedienung durch den Fahrer abhing. Danach zogen Elektronik und Servohilfen ins Cockpit ein. Einer der letzten „Bad Guys“ mit dem Pferd auf der Haube kommt in Kürze bei der RM-Auktion in Monaco zum Aufruf.

Er ist weiß. Wie das Dinner-Jackett morgens um 10 Uhr beim Cocktail auf der Terrasse. Und er hat diese ganz besondere Ausstrahlung. Nicht protzig, wie sein später Verwandter Testarossa. Aber auch nicht so unendlich cool, wie der Daytona. Der von Pininfarina gestylte 512 BBi verkörpert in seiner formellen Unentschlossenheit das wirkliche Leben. Das Heck irgendwie zu kurz für die ein wenig zu weit zur Mitte gerückte Hinterachse des Mittelmotorcoupés, dafür die Front mit einem zum Zerbrechen dünnen Steg über der Vorderachse. Die so suggerierte Leichtigkeit erfährt ihren Dämpfer durch die breite Spur, die den Ferrari mächtig auf der Straße stehen lässt, auch wenn auf den rustikalen Alufelgen für heutige Maßstäbe eher schmalbrünstiges Michelin-Gummi montiert wurde. Seine Leistung drückt der 512 BBi jedoch nicht nur durch das von seinem Vorgänger 365 nahezu unveränderte Design aus, sondern auch durch Details wie die vier Auspuffrohre und die vier runden Rückleuchten.

Ferrari 512 BBi: Der letzte Casanova
Ferrari 512 BBi: Der letzte CasanovaFerrari 512 BBi: Der letzte Casanova

Herzstück eines jeden Ferrari ist und bleibt jedoch der Motor. Für den hinter den beiden opulenten Ledersitzen untergebrachten Fünfiter-Zwölfzylinder spendierte Ferrari zum Debüt des 512 BBi auf dem Pariser Salon 1976 mehr Hubraum und mehr Leistung. So kam der zunächst mit einer Vergaseranlage bestückte 512 BB anfangs auf 360 PS. Erst 1981 wurde die betagte Gemischaufbereitung nach Altvätersitte gegen eine moderne Bosch-Einspritzanlage ersetzt. Das brachte zwar etwas weniger Leistung, jedoch deutlich saubereres Abgas und eine bessere Laufkultur. Ein Muss für den erfolgreichen Verkauf in den USA und für den problemlosen Alltagsbetrieb. Schon deshalb war der geringe Leistungsverlust zu verschmerzen, zumal absolut gesehen eine Ausbeute von 340 PS ohnehin nicht von schlechten Eltern war. Damit war der Ferrari bei freier Bahn immerhin fast 300 km/ h schnell. Heute ein wenig revolutionärer Wert, damals eine echte Sensation.

Damit neben den hohen Fahrleistungen auch der Komfort nicht zu kurz kam, trug der 512 BBi Leder im Innenraum. Das war in den frühen 80er zwar noch nicht in der heute üblichen Professionalität verarbeitet, dafür wurde nahezu jedes Detail im Innenraum mit dem edlen Material bezogen. Der Kunde war es aber am Ende, der den Umfang und die Farbe bestimmte – mit allen erwünschten und unerwünschten Nebenfolgen. Doch was sich im Laufe der Gebrauchtwagenkarriere als Nachteil entpuppte, ist heute absoluter Kult. Kündet doch gerade ein farblich surreales Interieur von dem Zeitgeist einer Epoche, in der die Herren Schlaghose in Kombination mit Stiefelletten und die Damen Mohär Pullover mit Perlenketten trugen.

Ferrari 512 BBi: Der letzte Casanova
Ferrari 512 BBi: Der letzte CasanovaFerrari 512 BBi: Der letzte Casanova

Wer sich heute den Spaß machen will, in die Zeit von „forever young“ einzutauchen, dem steht mit unserem weißen Fotowagen ein passendes Transportmittel zur Verfügung. Der zum Aufruf kommende Ferrai 512 BBi stellt die letzte Entwicklungsstufe dieses Modells dar und wurde am Ende der Laufzeit der Baureihe erstmals in Amerika ausgeliefert. Sein geringer Tachostand von lediglich 20.800 Meilen sorgt für Entspannung auf dem Konto der „cost of ownership“, denn ein Reparaturstau ist bei diesem Tachostand nicht zu befürchten. Eine sorgfältige und nachhaltige Wartung bei seinem Schweizer Zweitbesitzer sichert dem Italiener auch im hohen Alter ein gewisses Maß an Zuverlässigkeit, was den Ferrari zum idealen Begleiter einer Sommertour durch die Metropolen macht.

Ferrari 512 BBi: Der letzte Casanova
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Dass der 512 BBi dabei immer noch nichts von seiner Aura eingebüßt hat, wird beim Besuch der angesagten Clubs in München oder St. Moritz deutlich: Der Wagenmeister wird sich freudig erbieten, den Zwölfender aus Maranello zu parkieren, während ihnen der kostenlose Eintritt ob des stilsicheren Fortbewegungsmittels sicher sein wird.

Text: Sven Jürisch
Foto: Bruno Adolf ©2012 Courtesy of RM Auctions Photo

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